| |
 Ida Scherdels Materialbilder
sind eine einzige, große und dazu noch recht vergnügliche Einladung zum
Nachdenken. Und wenn es auch vom Betrachter abhängt, wie weit er dabei
kommt; es ist kein Studium der Kunstgeschichte erforderlich, um mit dieser
zeitgenössischen Kunst etwas anfangen zu können. Metall-, Stoff- und
Plastikreste; alles, was im Abfall zu finden ist, kann Ida Scherdel für ihre
Materialbilder gebrauchen; gebraucht oder auch verbraucht- in gewisser Weise
sinnlos- muss dieses Material nur sein, dem sie durch ihre ordnende Sicht
neuen Sinn gibt.
Der
Weg der 1937 in München geborenen Ida Scherdel zu diesen Materialbildern war
lang. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste in München, sie ist
Kunsterzieherin zunächst in Nürnberg, seit 1970 in Hof. Doch hat sie ihr
Beruf nicht davon abgehalten, künstlerisch recht aktiv zu sein: zunächst
befasste sie sich mit ÖI- und Aquarellmalerei, dann mit Keramik und seit
einigen Jahren nun also mit dem Materialbild. Am Anfang stand hierbei ein
Griechenlandaufenthalt, das Material stammte damals überwiegend aus der
Natur, und auf sie zurückzuführende Eindrücke prägten das Bild. Inzwischen
verwendet sie Materialien, die gewissermaßen nicht nur eine Vergangenheit,
sondern eine Geschichte haben, die schon durch die Hände von
Menschen
gegangen sind, und in dieser Form zumindest ausgedient haben: die Blechdose,
farbige Stoffreste, Plastikfigürchen, ein Autoschild. Der Betrachter ist in
besonderer Weise gefordert, wenngleich ihn die Künstlerin nicht alleine
lässt. Über die Titel möchte sie ihm den Einstieg in ihre, mehr aber wohl
noch in seine Bildwelt ermöglichen; denn sie engt das Blickfeld nicht ein,
möchte es offensichtlich weiten.
„Die Dinge neu sehen. Blickwechsel - das Wissen über sie und ihre
vermeintliche Bedeutung aus anderer Perspektive betrachten, sie neu zuordnen
und aus der Bedeutungslosigkeit emporheben. In einem Prozess des
Idealisierens wird Missachtetes, Verworfenes zum Mittelpunkt, zum
aufregenden, anregenden Kern der Sache, der gedankliche Assoziationen
evoziert und Fragestellungen nahezu erzwingt. Fragestellungen nach der Inwertsetzung der Dinge, die nach einem Rückfall in den Status des Urstoffes
durch den schöpferischen Akt zu Neuem, Bedeutendem werden: Transformationen,
Transfigurationen, Transmitter einer Botschaft, die nun im tiefen Inneren
des Betrachters Gestalt gewinnt. Das Ding wird zum Symbol, zu
Paradigmatischem, angetan mit dem Mantel des Mystischen und vielfältig
deutbar.“
Ida Scherdel
Eigene Ausstellungen:
Anchorage, Dinkelsbühl, Hof, Kulmbach, Münchberg, München, Rehau, Schönwald,
Verona
Sammelausstellungen:
u. a. in Bayreuth, Hof, Marktredwitz, Nürnberg, Plauen und
Schwarzenbach/Saale
|
|